Bluescreens lesen lernen
Stop-Code, Dump-File, Tool. So findest du raus, was Windows da gerade umgehauen hat, statt blind Treiber neu zu installieren.
Ein Bluescreen ist nicht das Ende, sondern eine Diagnose-Quittung. Windows sagt dir auf dem blauen Bildschirm exakt, was ihn umgehauen hat. Nur in Form eines kryptischen Stop-Codes.
Was du auf dem BSOD siehst
- „Auf deinem PC ist ein Problem aufgetreten…” — Marketing-Text, ignorier.
- Stop-Code in Grossbuchstaben am unteren Rand:
MEMORY_MANAGEMENT,IRQL_NOT_LESS_OR_EQUAL, etc. Das ist die wichtige Info. - Optional: Modulname wie
nvlddmkm.sys(NVIDIA-Treiber) oderntoskrnl.exe(Windows-Kernel). Direkter Hinweis auf den Schuldigen. - QR-Code: scannt zu einer Microsoft-Seite. 90% Marketing, 10% Stop-Code-Link. Foto von Stop-Code ist mehr wert.
Stop-Code-Tabelle (die häufigsten)
| Stop-Code | Was es bedeutet | Erster Verdächtiger |
|---|---|---|
MEMORY_MANAGEMENT | RAM- oder Page-File-Problem | RAM-Test (mdsched.exe), XMP/EXPO aus |
IRQL_NOT_LESS_OR_EQUAL | Treiber greift in geschützten Speicher | Letzter installierter Treiber, oft Netzwerk/GPU |
WHEA_UNCORRECTABLE_ERROR | CPU-Hardware-Fehler | CPU-OC zurück, Spannung, Temperaturen |
PAGE_FAULT_IN_NONPAGED_AREA | Treiber liest aus weggeräumtem Speicher | Treiber, oft GPU oder Antivirus |
CRITICAL_PROCESS_DIED | System-Prozess gekillt | Systemdateien defekt → sfc /scannow |
DRIVER_POWER_STATE_FAILURE | Treiber hängt beim Schlaf/Aufwachen | GPU- oder Netzwerk-Treiber, Schnellstart aus |
KMODE_EXCEPTION_NOT_HANDLED | Treiber wirft Fehler, niemand fängt ihn | Modulname auf BSOD lesen |
SYSTEM_SERVICE_EXCEPTION | Windows-Dienst kracht | Antivirus, Spielshields, Treiber |
KERNEL_SECURITY_CHECK_FAILURE | RAM, Dateisystem oder Hyper-V-Konflikt | RAM-Test, dann chkdsk |
INACCESSIBLE_BOOT_DEVICE | Windows findet seine Boot-Partition nicht | SATA-/NVMe-Modus im BIOS, Boot-Reihenfolge |
Wo liegt der Dump?
Windows schreibt bei jedem BSOD eine Datei mit dem Speicher-Schnappschuss:
- Minidump (klein, immer da):
C:\Windows\Minidump\*.dmp - Komplett-Dump:
C:\Windows\MEMORY.DMP(nur wenn aktiviert in System → Erweiterte Einstellungen → Starten und Wiederherstellen)
Wenn der Ordner Minidump leer ist, ist Crash-Logging aus. Anschalten:
Win+R → sysdm.cpl → Erweitert → Starten und Wiederherstellen → Einstellungen → „Kleines Speicherabbild (256 KB)”.
Dump auswerten — Tools
- WhoCrashed (resplendence.com, gratis für privat): die einfachste Variante. Liest Minidump und sagt im Klartext „Treiber XY hat gecrashed”. Reicht für 80% der Fälle.
- BlueScreenView (Nirsoft): Listet alle BSODs, zeigt Stop-Code, Modul, Stack. Portable, ohne Installation.
- WinDbg Preview (Microsoft Store): die ernsthafte Variante.
!analyze -vausführen, fertig. Gibt Treiber-Hersteller, Funktionsname, Aufrufstack.
„BSOD passiert zu selten zum Tools-Anwenden”
Nutze Driver Verifier. Er stresst alle Drittanbieter-Treiber, ein kaputter Treiber bringt sofort einen BSOD, der dann sauber im Dump landet.
verifier
→ „Benutzerdefinierte Einstellungen erstellen” → alle ausser „DDI compliance checking” und „Randomized low resources simulation” → „Treiber aus Liste auswählen” → alle, die NICHT von Microsoft sind → Neustart.
Hardware vs. Software entscheiden
| Hinweis | Wahrscheinlich |
|---|---|
| Immer derselbe Stop-Code, immer dasselbe Modul | Treiber, Software |
| Zufällige Stop-Codes, mal mit Modul mal ohne | RAM, Stromversorgung, CPU |
| Nur unter Last | Temperatur, Netzteil, OC |
| Direkt beim Booten | Storage, Boot-Konfiguration |
| Beim Aufwachen aus Schlaf | Treiber + Schnellstart |
| WHEA / MACHINE_CHECK | CPU oder Mainboard |
Standard-Reihenfolge nach einem BSOD
- Stop-Code aufschreiben (Foto). Wörtlich googeln, in Anführungszeichen.
- Letzte Änderung an: Treiber, Update, neue Hardware, BIOS-Setting? → rückgängig.
- WhoCrashed oder BlueScreenView über den Minidump laufen lassen.
sfc /scannowin Admin-Konsole.mdsched.exeüber Nacht durchlaufen lassen.- HWiNFO-Sensorlog beim nächsten Crash mitlaufen lassen.
Wenn du dann ein Ticket aufmachst: Stop-Code, Modul-Name und Output von WhoCrashed mitschicken. Spart dem Helfenden die halbe Diagnose, siehe Wie du richtig Hilfe bekommst.
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