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NAS – Grundlagen, Synology & QNAP

Was ein NAS ist, welche RAID-Level du brauchst, wie du Synology DSM und QNAP QTS einrichtest und typische KMU-Szenarien umsetzt.

7 Min Lesezeit Anfänger Zuletzt aktualisiert:

Was ist ein NAS – und wann lohnt es sich?

Ein NAS (Network Attached Storage) ist ein dediziertes Speichergerät, das direkt im Netzwerk hängt und seine Kapazität als Netzwerkfreigabe, Backup-Ziel oder Medienserver bereitstellt. Anders als ein externer USB-Stick, den jeder mit sich tragen kann, ist ein NAS dauerhaft im Netz eingebunden und für alle berechtigten Nutzer gleichzeitig erreichbar.

Im KMU-Alltag begegnet dir das NAS meistens in einer dieser Rollen:

  • Fileserver-Ersatz für kleine Teams ohne eigenen Windows Server
  • Backup-Ziel für Workstations, Server oder Cloud-Daten (3-2-1-Strategie)
  • Zentraler Medienspeicher für CAD-Dateien, Druckvorlagen, ISO-Images
  • iSCSI-Target als Block-Storage für Hyper-V oder VMware
  • Surveillance-Server für IP-Kameras im Büro

Ein NAS ist keine eierlegende Wollmilchsau – aber als ausfallsicherer, stromsparender Netzwerkspeicher mit eingebautem Backup schlägt es jede Büroschublade.

Die grossen Hersteller im Vergleich

MarkeBetriebssystemStärkeTypische Zielgruppe
SynologyDSM (DiskStation Manager)Benutzerfreundlichste Oberfläche, riesiges Paket-ÖkosystemKMU, Einsteiger
QNAPQTS / QuTS heroMehr Leistung und Optionen, auch ZFS-SupportFortgeschrittene, Virtualisierer
AsustorADMGünstiger Einstieg, solide GrundfunktionenHeimanwender, kleine Büros
TrueNASTrueNAS CORE / SCALEOpen Source, ZFS nativ, Enterprise-OptionenProfis, Selbstbauer

Für die meisten KMU-Setups empfiehlt sich Synology – die Oberfläche ist selbsterklärend, die Dokumentation exzellent, und DSM-Pakete wie Hyper Backup oder Active Directory Domain Service sind kostenlos im Paketcenter enthalten.

RAID verstehen – und warum RAID kein Backup ist

RAID (Redundant Array of Independent Disks) kombiniert mehrere physische Festplatten zu einem logischen Volume. Je nach Level unterscheidet sich das Verhalten bei Performance und Ausfallsicherheit:

RAID-LevelFunktionMindestplattenNutzbarer SpeicherToleriert Ausfälle
RAID 0Striping – reine Geschwindigkeit2100%0 – ein Ausfall = Totalverlust
RAID 1Spiegelung250%1
RAID 5Verteilte Parität3~67% (n-1)1
RAID 6Doppelte Parität4~50% (n-2)2
RAID 10Striping + Spiegelung450%1 pro Spiegelpaar
SHRSynology Hybrid RAID1+variabel1 (SHR-2: 2)

SHR ist Synologys Antwort auf den RAID-Irrsinn mit unterschiedlich grossen Platten. SHR optimiert den Speicherplatz automatisch, selbst wenn du eine 2-TB- und eine 4-TB-Platte kombinierst. Für Einsteiger ist SHR fast immer die bessere Wahl als manuell konfiguriertes RAID 5.

Synology DSM – Ersteinrichtung Schritt für Schritt

1. Festplatten einbauen und ans Netz hängen

Fahre das NAS stromlos, schiebe die Festplatten in die Schächte (kein Schraubenzieher nötig bei Hot-Swap-Trays), schliesse das Netzwerkkabel an und starte das Gerät.

2. DSM installieren

Öffne im Browser find.synology.com oder ruf direkt http://diskstation:5000 auf. Der Webassistent erkennt dein Gerät und führt dich durch die DSM-Installation. Das dauert je nach Modell 5–15 Minuten.

3. Speicherpool und Volume erstellen

Nach der Installation öffnest du den Speicher-Manager (Storage Manager):

  1. Klick auf Speicherpool > Erstellen
  2. Wähle den RAID-Typ (Empfehlung: SHR bei unterschiedlichen Plattengrossen)
  3. Wähle alle verfügbaren Platten aus
  4. Erstelle danach ein Volume auf dem Speicherpool (Grösse: alles nutzen, ausser du willst mehrere Volumes)
  5. Dateisystem: Btrfs bevorzugt – unterstützt Snapshots und Self-Healing

4. Freigegebene Ordner anlegen

Systemsteuerung > Freigegebener Ordner > Erstellen:

  • Name: z.B. Projekte, Buchhaltung, IT
  • Papierkorb aktivieren (schützt vor versehentlichem Löschen)
  • Benutzer-Berechtigungen setzen: Welcher AD-User oder lokale User darf lesen/schreiben?

5. SMB aktivieren und Netzlaufwerk verbinden

Systemsteuerung > Dateidienste > SMB aktivieren. Danach verbindest du das NAS auf einem Windows-PC:

# Netzlaufwerk per PowerShell verbinden (einmalig, mit gespeicherten Anmeldedaten)
net use Z: \\192.168.1.50\Projekte /user:nasuser /persistent:yes

# Oder im Explorer: Dieser PC > Netzlaufwerk verbinden > \\nas-name\freigabe

QNAP QTS – Einrichtung im Überblick

Der Ablauf bei QNAP ist vergleichbar, die Begriffe unterscheiden sich leicht:

  1. Storage & Snapshots statt Speicher-Manager
  2. Speicherpool > Volume – gleiche Logik wie bei Synology
  3. RAID-Typen: RAID 0/1/5/6/10 oder JBOD (kein RAID)
  4. Freigegebene Ordner > Netzwerkfreigabe erstellen
  5. SMB aktivieren unter Netzwerk- und Dateidienste

QNAP bietet ausserdem QuTS hero, eine Enterprise-Variante auf Basis des ZFS-Dateisystems. ZFS bringt native Prüfsummen, automatische Fehlerkorrektur und Deduplizierung – relevant für grössere Installationen oder Setups mit kritischen Daten.

Netzwerkprotokolle auf dem NAS

ProtokollEinsatzPfad-Syntax
SMB/CIFSWindows-Clients, Standard in KMU\\nas\freigabe
NFSLinux-Clients, VMs, ESXi-Datastoresmount -t nfs nas:/volume1/data /mnt/data
AFPmacOS (veraltet, durch SMB abgelöst)afp://nas/freigabe
iSCSIBlock-Storage für VMs, DatenbankenTarget-IQN im iSCSI-Initiator eintragen
FTP/SFTPDateiübertragung (z.B. Drucker-Scans)sftp://nas
WebDAVBrowser-Zugriff, Cloud-Clientshttps://nas:5006

Für typische KMU-Dateifreigaben ist SMB der Standard. NFS lohnt sich nur, wenn Linux-Clients oder VMware ESXi direkt auf NAS-Storage zugreifen sollen.

Wichtige DSM-Pakete für den KMU-Einsatz

Synologys Paketcenter bietet kostenlose Erweiterungen:

PaketFunktion
Hyper BackupBackup auf externe USB-Platte, andere NAS oder Cloud (z.B. Backblaze B2, Azure)
Snapshot ReplicationBtrfs-Snapshots auf Freigabeordner-Ebene, schützt vor Ransomware
Active Directory Domain ServiceSynology als Domain Controller betreiben (für Kleinunternehmen ohne Windows Server)
VPN ServerOpenVPN oder L2TP/IPsec auf dem NAS betreiben
DockerContainer direkt auf dem NAS laufen lassen
Surveillance StationIP-Kamera-Management, bis zu 2 Kameras kostenlos
Cloud SyncBidirektionale Synchronisation mit Google Drive, OneDrive, Dropbox

Backup-Strategie für das NAS selbst

Das NAS speichert wichtige Daten – also muss das NAS selbst gesichert werden. Die 3-2-1-Regel als Orientierung:

  • 3 Kopien der Daten
  • 2 verschiedene Medien (z.B. NAS + externe USB-Platte)
  • 1 Kopie ausser Haus (Cloud oder zweiter Standort)

Typisches KMU-Setup mit Hyper Backup:

  1. Hyper Backup installieren
  2. Backup-Task erstellen: Quelle = Freigabeordner, Ziel = externe USB-Platte
  3. Zeitplan: täglich um 02:00 Uhr
  4. Aufbewahrung: 7 Tagesversionen, 4 Wochenversionen
  5. Optional: zweiten Task für Cloud-Backup auf Backblaze B2 oder S3-kompatiblen Storage
# Auf QNAP: rsync-Backup auf zweites NAS per SSH (im Terminal oder per HBS 3)
rsync -avz --delete /share/Projekte/ rsync://user@192.168.1.51/Projekte-Backup/

Typische Probleme und Lösungen

NAS erscheint nicht im Netzwerk

# Prüfen ob das NAS per Ping erreichbar ist
ping 192.168.1.50

# SMBv1 auf dem Windows-Client prüfen (sollte deaktiviert sein)
Get-WindowsOptionalFeature -Online -FeatureName SMB1Protocol

# NAS-Namen per nslookup auflösen
nslookup nas.firma.local

Falls das NAS nur sporadisch sichtbar ist: DHCP-Reservation für die MAC-Adresse setzen oder im NAS selbst eine statische IP konfigurieren.

Netzlaufwerk trennt sich nach Standby

Im Gruppenrichtlinieneditor (Win+R, gpedit.msc): Computerkonfiguration > Administrative Vorlagen > Netzwerk > Lanman Workstation > “Offline-Dateien für freigegebene Ordner ohne kontinuierliche Verfügbarkeit aktivieren” deaktivieren.

Alternativ in der Registry:

# Autodisconnect auf -1 setzen (kein automatisches Trennen)
net config server /autodisconnect:-1

Zugriff verweigert trotz korrektem Passwort

  • Prüfe ob der Benutzername auf dem NAS exakt gleich geschrieben ist wie beim Login (Gross-/Kleinschreibung beachten)
  • Prüfe Share-Berechtigungen UND Ordner-Berechtigungen separat
  • Bei Synology: Systemsteuerung > Benutzer > Benutzer auswählen > Berechtigungen prüfen
  • Alte Credentials im Windows Credential Manager löschen: Systemsteuerung > Anmeldeinformationsverwaltung > Windows-Anmeldeinformationen

Weiterlernen

Videos

YouTube
Synology NAS Ersteinrichtung: Anfänger-Tutorial (DSM 7.2)

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