NAS – Grundlagen, Synology & QNAP
Was ein NAS ist, welche RAID-Level du brauchst, wie du Synology DSM und QNAP QTS einrichtest und typische KMU-Szenarien umsetzt.
Was ist ein NAS – und wann lohnt es sich?
Ein NAS (Network Attached Storage) ist ein dediziertes Speichergerät, das direkt im Netzwerk hängt und seine Kapazität als Netzwerkfreigabe, Backup-Ziel oder Medienserver bereitstellt. Anders als ein externer USB-Stick, den jeder mit sich tragen kann, ist ein NAS dauerhaft im Netz eingebunden und für alle berechtigten Nutzer gleichzeitig erreichbar.
Im KMU-Alltag begegnet dir das NAS meistens in einer dieser Rollen:
- Fileserver-Ersatz für kleine Teams ohne eigenen Windows Server
- Backup-Ziel für Workstations, Server oder Cloud-Daten (3-2-1-Strategie)
- Zentraler Medienspeicher für CAD-Dateien, Druckvorlagen, ISO-Images
- iSCSI-Target als Block-Storage für Hyper-V oder VMware
- Surveillance-Server für IP-Kameras im Büro
Ein NAS ist keine eierlegende Wollmilchsau – aber als ausfallsicherer, stromsparender Netzwerkspeicher mit eingebautem Backup schlägt es jede Büroschublade.
Die grossen Hersteller im Vergleich
| Marke | Betriebssystem | Stärke | Typische Zielgruppe |
|---|---|---|---|
| Synology | DSM (DiskStation Manager) | Benutzerfreundlichste Oberfläche, riesiges Paket-Ökosystem | KMU, Einsteiger |
| QNAP | QTS / QuTS hero | Mehr Leistung und Optionen, auch ZFS-Support | Fortgeschrittene, Virtualisierer |
| Asustor | ADM | Günstiger Einstieg, solide Grundfunktionen | Heimanwender, kleine Büros |
| TrueNAS | TrueNAS CORE / SCALE | Open Source, ZFS nativ, Enterprise-Optionen | Profis, Selbstbauer |
Für die meisten KMU-Setups empfiehlt sich Synology – die Oberfläche ist selbsterklärend, die Dokumentation exzellent, und DSM-Pakete wie Hyper Backup oder Active Directory Domain Service sind kostenlos im Paketcenter enthalten.
RAID verstehen – und warum RAID kein Backup ist
RAID (Redundant Array of Independent Disks) kombiniert mehrere physische Festplatten zu einem logischen Volume. Je nach Level unterscheidet sich das Verhalten bei Performance und Ausfallsicherheit:
| RAID-Level | Funktion | Mindestplatten | Nutzbarer Speicher | Toleriert Ausfälle |
|---|---|---|---|---|
| RAID 0 | Striping – reine Geschwindigkeit | 2 | 100% | 0 – ein Ausfall = Totalverlust |
| RAID 1 | Spiegelung | 2 | 50% | 1 |
| RAID 5 | Verteilte Parität | 3 | ~67% (n-1) | 1 |
| RAID 6 | Doppelte Parität | 4 | ~50% (n-2) | 2 |
| RAID 10 | Striping + Spiegelung | 4 | 50% | 1 pro Spiegelpaar |
| SHR | Synology Hybrid RAID | 1+ | variabel | 1 (SHR-2: 2) |
SHR ist Synologys Antwort auf den RAID-Irrsinn mit unterschiedlich grossen Platten. SHR optimiert den Speicherplatz automatisch, selbst wenn du eine 2-TB- und eine 4-TB-Platte kombinierst. Für Einsteiger ist SHR fast immer die bessere Wahl als manuell konfiguriertes RAID 5.
Synology DSM – Ersteinrichtung Schritt für Schritt
1. Festplatten einbauen und ans Netz hängen
Fahre das NAS stromlos, schiebe die Festplatten in die Schächte (kein Schraubenzieher nötig bei Hot-Swap-Trays), schliesse das Netzwerkkabel an und starte das Gerät.
2. DSM installieren
Öffne im Browser find.synology.com oder ruf direkt http://diskstation:5000 auf. Der Webassistent erkennt dein Gerät und führt dich durch die DSM-Installation. Das dauert je nach Modell 5–15 Minuten.
3. Speicherpool und Volume erstellen
Nach der Installation öffnest du den Speicher-Manager (Storage Manager):
- Klick auf Speicherpool > Erstellen
- Wähle den RAID-Typ (Empfehlung: SHR bei unterschiedlichen Plattengrossen)
- Wähle alle verfügbaren Platten aus
- Erstelle danach ein Volume auf dem Speicherpool (Grösse: alles nutzen, ausser du willst mehrere Volumes)
- Dateisystem: Btrfs bevorzugt – unterstützt Snapshots und Self-Healing
4. Freigegebene Ordner anlegen
Systemsteuerung > Freigegebener Ordner > Erstellen:
- Name: z.B.
Projekte,Buchhaltung,IT - Papierkorb aktivieren (schützt vor versehentlichem Löschen)
- Benutzer-Berechtigungen setzen: Welcher AD-User oder lokale User darf lesen/schreiben?
5. SMB aktivieren und Netzlaufwerk verbinden
Systemsteuerung > Dateidienste > SMB aktivieren. Danach verbindest du das NAS auf einem Windows-PC:
# Netzlaufwerk per PowerShell verbinden (einmalig, mit gespeicherten Anmeldedaten)
net use Z: \\192.168.1.50\Projekte /user:nasuser /persistent:yes
# Oder im Explorer: Dieser PC > Netzlaufwerk verbinden > \\nas-name\freigabe
QNAP QTS – Einrichtung im Überblick
Der Ablauf bei QNAP ist vergleichbar, die Begriffe unterscheiden sich leicht:
- Storage & Snapshots statt Speicher-Manager
- Speicherpool > Volume – gleiche Logik wie bei Synology
- RAID-Typen: RAID 0/1/5/6/10 oder JBOD (kein RAID)
- Freigegebene Ordner > Netzwerkfreigabe erstellen
- SMB aktivieren unter Netzwerk- und Dateidienste
QNAP bietet ausserdem QuTS hero, eine Enterprise-Variante auf Basis des ZFS-Dateisystems. ZFS bringt native Prüfsummen, automatische Fehlerkorrektur und Deduplizierung – relevant für grössere Installationen oder Setups mit kritischen Daten.
Netzwerkprotokolle auf dem NAS
| Protokoll | Einsatz | Pfad-Syntax |
|---|---|---|
| SMB/CIFS | Windows-Clients, Standard in KMU | \\nas\freigabe |
| NFS | Linux-Clients, VMs, ESXi-Datastores | mount -t nfs nas:/volume1/data /mnt/data |
| AFP | macOS (veraltet, durch SMB abgelöst) | afp://nas/freigabe |
| iSCSI | Block-Storage für VMs, Datenbanken | Target-IQN im iSCSI-Initiator eintragen |
| FTP/SFTP | Dateiübertragung (z.B. Drucker-Scans) | sftp://nas |
| WebDAV | Browser-Zugriff, Cloud-Clients | https://nas:5006 |
Für typische KMU-Dateifreigaben ist SMB der Standard. NFS lohnt sich nur, wenn Linux-Clients oder VMware ESXi direkt auf NAS-Storage zugreifen sollen.
Wichtige DSM-Pakete für den KMU-Einsatz
Synologys Paketcenter bietet kostenlose Erweiterungen:
| Paket | Funktion |
|---|---|
| Hyper Backup | Backup auf externe USB-Platte, andere NAS oder Cloud (z.B. Backblaze B2, Azure) |
| Snapshot Replication | Btrfs-Snapshots auf Freigabeordner-Ebene, schützt vor Ransomware |
| Active Directory Domain Service | Synology als Domain Controller betreiben (für Kleinunternehmen ohne Windows Server) |
| VPN Server | OpenVPN oder L2TP/IPsec auf dem NAS betreiben |
| Docker | Container direkt auf dem NAS laufen lassen |
| Surveillance Station | IP-Kamera-Management, bis zu 2 Kameras kostenlos |
| Cloud Sync | Bidirektionale Synchronisation mit Google Drive, OneDrive, Dropbox |
Backup-Strategie für das NAS selbst
Das NAS speichert wichtige Daten – also muss das NAS selbst gesichert werden. Die 3-2-1-Regel als Orientierung:
- 3 Kopien der Daten
- 2 verschiedene Medien (z.B. NAS + externe USB-Platte)
- 1 Kopie ausser Haus (Cloud oder zweiter Standort)
Typisches KMU-Setup mit Hyper Backup:
- Hyper Backup installieren
- Backup-Task erstellen: Quelle = Freigabeordner, Ziel = externe USB-Platte
- Zeitplan: täglich um 02:00 Uhr
- Aufbewahrung: 7 Tagesversionen, 4 Wochenversionen
- Optional: zweiten Task für Cloud-Backup auf Backblaze B2 oder S3-kompatiblen Storage
# Auf QNAP: rsync-Backup auf zweites NAS per SSH (im Terminal oder per HBS 3)
rsync -avz --delete /share/Projekte/ rsync://user@192.168.1.51/Projekte-Backup/
Typische Probleme und Lösungen
NAS erscheint nicht im Netzwerk
# Prüfen ob das NAS per Ping erreichbar ist
ping 192.168.1.50
# SMBv1 auf dem Windows-Client prüfen (sollte deaktiviert sein)
Get-WindowsOptionalFeature -Online -FeatureName SMB1Protocol
# NAS-Namen per nslookup auflösen
nslookup nas.firma.local
Falls das NAS nur sporadisch sichtbar ist: DHCP-Reservation für die MAC-Adresse setzen oder im NAS selbst eine statische IP konfigurieren.
Netzlaufwerk trennt sich nach Standby
Im Gruppenrichtlinieneditor (Win+R, gpedit.msc): Computerkonfiguration > Administrative Vorlagen > Netzwerk > Lanman Workstation > “Offline-Dateien für freigegebene Ordner ohne kontinuierliche Verfügbarkeit aktivieren” deaktivieren.
Alternativ in der Registry:
# Autodisconnect auf -1 setzen (kein automatisches Trennen)
net config server /autodisconnect:-1
Zugriff verweigert trotz korrektem Passwort
- Prüfe ob der Benutzername auf dem NAS exakt gleich geschrieben ist wie beim Login (Gross-/Kleinschreibung beachten)
- Prüfe Share-Berechtigungen UND Ordner-Berechtigungen separat
- Bei Synology: Systemsteuerung > Benutzer > Benutzer auswählen > Berechtigungen prüfen
- Alte Credentials im Windows Credential Manager löschen: Systemsteuerung > Anmeldeinformationsverwaltung > Windows-Anmeldeinformationen
Crosslinks
- Dateifreigaben auf einem Windows Server aufsetzen: Windows Server Dateifreigaben
- Backup-Konzepte und Wiederherstellungsstrategie: Windows Server Backup
- Wenn das NAS als Domain-Member eingebunden werden soll: Active Directory Grundlagen
- Netzwerkgrundlagen für die NAS-Anbindung: TCP/IP Grundlagen
Weiterlernen
- Synology Knowledge Center – DSM 7.2 Benutzerhandbuch
- QNAP QTS 5.x Dokumentation (Freigabeordner zuordnen)
- Synology Hyper Backup – Offizielle Anleitung
- QNAP: Wie richte ich mein NAS ein? (offizielle FAQ)
- NAS-Einrichtung Praxis-Tutorial – technikkram.net
- NAKIVO: Top NAS Backup Strategies (englisch)
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