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Festplatte voll, obwohl da nichts drauf ist

500 GB Platte zeigt 50 GB frei, aber deine Dateien sind doch nur 200 GB. Wo der Rest steckt — und was du gefahrlos löschen kannst.

4 Min Lesezeit Zuletzt aktualisiert:

Windows ist ein digitaler Messi. Es behält Reste alter Updates, Caches, Schattenkopien, Hibernate-Files — und zeigt dir am Ende eine fast volle Platte ohne offensichtliche Erklärung. Hier liegen die Brocken.

1. Erst sichtbar machen: WizTree

WizTree liest die NTFS-MFT direkt → in 5-10 Sek statt 1-2 Stunden eine komplette Verzeichnis-Übersicht nach Grösse. WinDirStat / TreeSize Free machen das auch, brauchen aber 30-60 Min für eine 1-TB-Platte.

WizTree öffnen → C: scannen → linke Spalte zeigt die grössten Ordner. Geh die Top 10 durch.

2. Typische versteckte Riesen-Brocken

Pfad / DateiTypische GrösseWas es ist
C:\hiberfil.sysRAM-Grösse (16-64 GB)Hibernate-Datei
C:\pagefile.sys4-32 GBAuslagerungsdatei
C:\swapfile.sys256 MBApp-Suspension (klein, ignorier)
C:\Windows.old15-40 GBBackup nach Windows-Upgrade
C:\Windows\WinSxS5-15 GBKomponenten-Speicher (NICHT löschen, nur cleanen)
C:\System Volume Information5-50 GBSchattenkopien (VSS)
C:\Users\<User>\AppData\Local\Temp1-20 GBApp-Temp-Dateien
Steam steamapps\shadercache5-30 GBShader-Cache, regenerierbar
C:\ProgramData\Microsoft\Windows Defender\Scans\History1-10 GBDefender-Scan-Verlauf

3. hiberfil.sys — Hibernate-Datei

So gross wie dein RAM. 32 GB RAM → 32 GB hiberfil.sys. Wenn du Ruhezustand nicht nutzt, kannst du sie entfernen:

powercfg /hibernate off

Datei verschwindet sofort. Folgen:

  • „In den Ruhezustand versetzen” ist nicht mehr möglich.
  • Schnellstart ist auch deaktiviert (basiert auf Hibernate-Mechanismus) — wird sowieso meist mehr Probleme als Nutzen bei Treiber-Zustand.

Wieder aktivieren: powercfg /hibernate on.

4. pagefile.sys — Auslagerungsdatei

Windows nutzt sie, wenn RAM voll ist. Komplett aus ist nicht zu empfehlen (manche Spiele und Programme brauchen sie als Reserve). Aber Grösse begrenzen ist okay bei viel RAM.

Win+Rsysdm.cpl → Erweitert → Leistung → Einstellungen → Erweitert → Virtueller Arbeitsspeicher → Ändern.

„Grösse für alle Laufwerke automatisch verwalten” aus → manuell setzen. Bei 32+ GB RAM: minimal 4096 MB, maximal 8192 MB ist reichlich. Bei 16 GB RAM: lass es auf „Vom System verwaltet”.

Bei mehreren Laufwerken: Pagefile auf die schnellste SSD, andere Platten ohne Pagefile.

5. Windows.old — nach grossem Update

Nach jedem grossen Windows-Update (Feature Update wie 22H2 → 23H2 → 24H2) liegt eine Kopie des alten Windows in C:\Windows.old. Sie dient für „Rollback zu vorheriger Version” in den ersten 10 Tagen.

Löschen via Datenträgerbereinigung (gleich auch andere Update-Reste):

  1. cleanmgr → Laufwerk C: → „Systemdateien bereinigen” (Admin-Anhebung).
  2. Anhaken: „Vorherige Windows-Installation(en)”, „Windows-Aktualisierungsbereinigung”, „Temporäre Windows-Installationsdateien”.
  3. OK → kann 5-15 Min dauern.

Danach ist Rollback nicht mehr möglich. Wenn neues Windows läuft: kein Problem.

6. Volumeschattenkopien

System Restore und manche Backup-Tools legen Schattenkopien an. Können extrem gross werden (bis 10 % des Laufwerks).

Anzeigen (Admin-CMD):

vssadmin list shadowstorage

Schrumpfen:

vssadmin resize shadowstorage /For=C: /On=C: /MaxSize=5GB

Oder komplett deaktivieren (System Restore aus, falls du das ohnehin nie nutzt): sysdm.cpl → Computerschutz → Konfigurieren → Computerschutz deaktivieren.

7. WinSxS aufräumen

WinSxS ist der Komponentenspeicher: alte Versionen von System-DLLs als Reserve. NIE manuell Dateien drin löschen — System hin. Aber DISM kann sauber aufräumen:

dism /online /cleanup-image /startcomponentcleanup

Mit /ResetBase zusätzlich: löscht alle alten Update-Versionen unwiderruflich — danach keine einzelnen Updates mehr deinstallierbar. Nur ausführen, wenn System seit Wochen stabil:

dism /online /cleanup-image /startcomponentcleanup /ResetBase

Bringt 2-8 GB. Dauert 5-20 Min.

8. Temp-Ordner

del /F /S /Q %temp%\*

Räumt %localappdata%\Temp. Manche Dateien sind in Benutzung und werden übersprungen — das ist okay.

Zusätzlich: Windows-Temp:

del /F /S /Q C:\Windows\Temp\*

9. Steam Shader-Cache

Steam-Spiele cachen kompilierte Shader. Bei vielen Spielen und mehreren Treibern-Versionen sammelt sich:

C:\Program Files (x86)\Steam\steamapps\shadercache\

Löschen ist okay — wird beim nächsten Spielstart neu generiert (was kurz Stuttering verursacht, siehe Plötzliche Lags).

10. Defender-Verlauf

Wenn C:\ProgramData\Microsoft\Windows Defender\Scans\History\ riesig ist: siehe AntiMalware Service frisst CPU.

11. Cloud-Sync lokal lagernd

OneDrive/Dropbox/Google Drive haben „Dateien bei Bedarf” — Dateien sind in der Cloud, nur Metadata lokal. Bei manchen Setups (oder versehentlich „Immer auf diesem Gerät behalten”) werden trotzdem alle GB lokal gespiegelt.

OneDrive: Tray-Icon → Einstellungen → Synchronisierung und Sicherung → Erweiterte Einstellungen → „Dateien bei Bedarf” an.

12. Browser-Profile

Chrome-Profile mit jahrelangem Verlauf, Cache und Erweiterungs-Daten: 1-5 GB pro Profil. WizTree zeigt sie unter %localappdata%\Google\Chrome\User Data\. Cache löschen (siehe Browser ist lahm) räumt das.

13. Game-Saves und Mod-Ordner

Manche Spiele/Modder legen riesige Mod-Sammlungen unter %appdata%, Documents\My Games\ oder %localappdata% ab. WizTree zeigt’s. Vor dem Löschen: Cloud-Save sicher? Mods, die du noch brauchst, backuppen.

Schnelltest-Reihenfolge

  1. WizTree → die 10 grössten Ordner anschauen.
  2. cleanmgr mit „Systemdateien bereinigen”.
  3. powercfg /hibernate off (wenn du Hibernate nicht nutzt).
  4. dism /online /cleanup-image /startcomponentcleanup.
  5. Steam Shader-Cache löschen.
  6. Browser-Cache leeren.
  7. Bei wenig SSD-Platz: alte Spiele auf andere Platte verschieben (Steam → Eigenschaften → Lokale Dateien → Installationsordner ändern).

Mehr zur Datenrettung wenn du was Falsches gelöscht hast: Backups.

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