PC startet nicht — Schritt-für-Schritt
Vom „nichts geht" zum „okay, da ist das Problem". Entscheidungsbaum, ohne wild Teile zu tauschen.
Bevor du Teile bestellst: finde raus, wo der Boot stehenbleibt. Es gibt vier klare Stufen.
Der Entscheidungsbaum
- Komplett tot — keine LEDs, kein Lüfter, nichts → Strom
- Lüfter dreht, LEDs leuchten, aber kein Bild → POST/Hardware
- Bild kommt, BIOS-Logo, aber Windows startet nicht → Boot-Konfiguration
- Windows startet, dann BSOD oder Endlos-Reboot → Treiber/Software (siehe Bluescreens lesen)
Geh in dieser Reihenfolge durch.
Stufe 1: Komplett tot
- Steckdose & Kabel. Andere Geräte an derselben Steckdose? Kabel fest? Netzteil-Schalter auf I?
- Power-Button-Kabel. Wenn du am Gehäuse-Knopf nichts hörst, kurz mit Schraubenzieher die PWR-Pins am Mainboard brücken (Frontpanel-Header). Tut’s, ist der Gehäuse-Knopf hin.
- Paperclip-Test fürs Netzteil. ATX-Stecker raus, grünes Kabel (PS_ON) mit einem schwarzen brücken. Netzteil-Lüfter dreht → Netzteil grundsätzlich lebt. Wichtig: das prüft nur, ob es überhaupt anspringt, nicht ob alle Schienen sauber liefern.
Stufe 2: POST-Fehler — kein Bild trotz Lüfter
POST = Power-On-Self-Test. Mainboard prüft RAM, CPU, GPU. Schlägt das fehl, gibt’s Codes:
Beep-Codes (alte Mainboards) oder Q-LEDs (moderne)
| Signal | Komponente |
|---|---|
| 1 langer Beep | RAM nicht erkannt oder defekt |
| 3 kurze Beeps | GPU-Fehler |
| 5 kurze Beeps | CPU-Fehler |
| Dauer-Beep | Keine CPU oder Spannung |
| Kein Beep | Speaker fehlt, oder schwerer Hardware-Defekt |
Moderne Boards (ASUS, MSI, Gigabyte) haben Q-LEDs für CPU/DRAM/VGA/BOOT. Welche leuchtet dauerhaft → da ist das Problem.
Vorgehen
- Monitor an der richtigen Quelle? Bei dedizierter GPU am GPU-Anschluss, nicht am Mainboard-HDMI (sonst kein Bild, weil CPU keine iGPU oder iGPU deaktiviert).
- RAM neu setzen. Riegel rausziehen, kurz reinigen (nicht mit Bleistift, Kontakte!), neu reinklicken. Beide Hebel hörbar zu.
- RAM einzeln testen. Nur Riegel A1 (oder vom Hersteller empfohlener Slot). Bootet er? Anderen Riegel testen. Findet defekten Riegel.
- GPU neu setzen. PCIe-Slot raus, rein. Stromstecker prüfen (8-Pin / 12VHPWR).
- CMOS-Reset. Batterie auf dem Mainboard (CR2032) 30 Sekunden raus, oder „CLR_CMOS”-Jumper kurz brücken. Setzt BIOS-Einstellungen zurück. Hilft oft nach kaputtem XMP-Setting oder fehlgeschlagenem BIOS-Update.
- Minimal-Boot. Nur CPU + 1 RAM-Riegel + GPU. Alles andere (NVMe, USB, SATA, Front-IO) abklemmen. Bootet er? Stück für Stück dazu bis es bricht.
Stufe 3: BIOS lädt, Windows nicht
-
Boot-Reihenfolge im BIOS. Hat Windows-Boot-Manager noch Priorität? Manchmal nach Update wechselt es.
-
NVMe/SSD im BIOS sichtbar? Wenn dein System-Laufwerk nicht erscheint, ist der Kandidat das Laufwerk selbst oder der Slot.
-
Windows Recovery Environment. Falls Windows mehrfach failed, kommt es automatisch in den Wiederherstellungsmodus. Wenn nicht: 3× während des Boot-Logos den Reset-Knopf drücken → Recovery startet.
-
Boot-Reparatur in der Recovery: Erweiterte Optionen → Eingabeaufforderung:
bootrec /fixmbr bootrec /fixboot bootrec /scanos bootrec /rebuildbcd -
Sicherer Modus aus Recovery starten: Erweiterte Optionen → Starteinstellungen → Neu starten → 4 (Abgesicherter Modus). Wenn das geht, ist’s Treiber/Software.
Stufe 4: Windows bootet, crasht aber
Das ist der einfachste Fall — Windows läuft, du kannst diagnostizieren. Direkt rüber zu Bluescreens lesen.
Wenn nichts geht
Foto von der Q-LED oder Beep-Code-Anzahl + System-Spec ins Ticket. Siehe Wie du richtig Hilfe bekommst.
Kommentare
Frage, Verbesserungsvorschlag oder eigene Erfahrung zu diesem Artikel? Schreib einen Kommentar. Neue Beiträge erscheinen nach kurzer Moderation.
- Lade Kommentare …