Datenschutz bei KI: Was passiert mit meinen Daten?
Was ChatGPT, Claude und Co. mit deinen Eingaben machen, wo der Unterschied zwischen Gratis- und Business-Tarif liegt und was du nie eingeben solltest.
Die kurze Antwort zuerst
Wenn du in ein KI-Chatfenster tippst, passiert mit deiner Eingabe mindestens eines von drei Dingen: Sie wird verarbeitet und wieder gelöscht, sie wird eine Weile gespeichert, um den Dienst zu verbessern, oder sie landet im Trainingsdatensatz für die nächste Modell-Generation. Welche der drei Varianten zutrifft, hängt fast ausschliesslich davon ab, welchen Tarif du nutzt – nicht davon, wie harmlos oder sensibel deine Frage war.
Das ist der wichtigste Punkt in diesem Artikel: Die Antworten des Chatbots ändern sich zwischen Gratis- und Business-Version nicht spürbar. Was sich ändert, ist unsichtbar – nämlich das, was hinter den Kulissen mit deinen Worten geschieht.
Werden meine Eingaben zum Training genutzt?
Kurz: Bei Gratis- und den meisten Einzelpersonen-Abos oft ja, bei Business/Enterprise/API praktisch nie. Die grossen Anbieter haben hier unterschiedliche, aber ähnlich strukturierte Regeln (Stand: 2026-07):
- OpenAI (ChatGPT): Bei Free, Plus und Pro werden neue Unterhaltungen standardmässig zum Modelltraining verwendet, ausser du deaktivierst das explizit unter Einstellungen → Datenkontrollen. Bei ChatGPT Team, ChatGPT Enterprise, ChatGPT Edu und über die API trainiert OpenAI grundsätzlich nicht mit deinen Daten – ganz ohne Zusatzaufwand.
- Anthropic (Claude): Seit Herbst 2025 gilt: Bei Free, Pro und Max kannst du in den Privatsphäre-Einstellungen selbst wählen, ob deine Chats und Coding-Sessions zum Training verwendet werden dürfen. Stimmst du zu, gilt eine Aufbewahrung von bis zu 5 Jahren; lehnst du ab, bleibt es bei 30 Tagen. Claude for Work, Claude Enterprise, Claude for Education und der API-Zugriff (auch über Amazon Bedrock oder Google Vertex AI) sind davon ausgenommen – hier wird nie zu Trainingszwecken verwendet.
- Google (Gemini): Bei privaten Google-Konten kannst du unter “Aktivitäten in Gemini-Apps” die Speicherung abschalten; auch dann bleiben Unterhaltungen aber laut Google bis zu 72 Stunden intern gespeichert, um den Dienst bereitzustellen. Bei Google Workspace mit passender Lizenz wird dein Content nicht ausserhalb deiner Organisation zu Trainingszwecken genutzt.
- Microsoft 365 Copilot: Prompts, Antworten und Daten, auf die Copilot über Microsoft Graph zugreift, werden laut Microsoft grundsätzlich nicht zum Training der Basismodelle verwendet – das gilt für die Business-Varianten, auf die praktisch jedes Unternehmen setzt.
Gratis vs. Business: die Tabelle zum Merken
| Tarif-Typ | Training mit deinen Daten? | Aufbewahrung | Typisches Beispiel |
|---|---|---|---|
| Kostenloses Konsumenten-Konto | Meist ja, ausser Opt-out gesetzt | Wochen bis Jahre | ChatGPT Free, Gemini (privat) |
| Bezahltes Konsumenten-Abo | Oft ja, aber abwählbar | 30 Tage bis 5 Jahre (je nach Wahl) | ChatGPT Plus/Pro, Claude Pro/Max |
| Business/Team-Tarif | Nein, vertraglich ausgeschlossen | Meist kurz, admin-konfigurierbar | ChatGPT Team, Copilot Business |
| Enterprise-Tarif | Nein, vertraglich ausgeschlossen | Von der IT-Abteilung steuerbar | ChatGPT Enterprise, Claude Enterprise |
| API-Zugriff | Nein, vertraglich ausgeschlossen | Meist wenige Tage, teils 0 | Eigene Apps, die auf Anbieter-APIs zugreifen |
Was du NIE in einen KI-Chatbot eingeben solltest
Diese Liste gilt unabhängig vom Tarif – aus reiner Vorsicht, weil du selten sicher weisst, wo Daten am Ende landen, wie lange sie liegen bleiben oder ob ein Anbieter seine Richtlinien mal ändert:
- Passwörter, API-Keys, Zugangsdaten – auch nicht “nur zum Debuggen”, tausche sie danach so oder so aus
- Kundendaten mit Namen, Adressen, Vertragsdetails – vor allem, wenn du beruflich mit dem Gratis-Tool arbeitest
- Gesundheitsdaten – eigene oder von anderen Personen, auch anonymisiert wirkende Angaben lassen sich oft rekombinieren
- Finanzdaten – Kontonummern, Kreditkartendaten, Lohnabrechnungen
- Geschäftsgeheimnisse – unveröffentlichter Code, Strategiepapiere, M&A-Informationen, Patentideen
- Ausweisdokumente, Fotos von Pass oder ID – auch nicht zum “Text auslesen lassen”
- Daten Dritter ohne deren Einwilligung – ein Chatprotokoll, eine E-Mail von jemand anderem, ein Foto mit erkennbaren Personen
Opt-out: So schaltest du das Training ab
Falls du privat ein Gratis- oder Einzelabo nutzt, lohnt sich der Griff zu den Einstellungen:
ChatGPT (Web/App):
Profil → Einstellungen → Datenkontrollen → "Verbessere das Modell für alle" → aus
Claude (Web/App):
Profil → Einstellungen → Datenschutz → "Trainingsdaten" → Schalter aus
(Inkognito-/temporäre Chats werden ohnehin nie zum Training verwendet)
Gemini (Web):
Einstellungen → Aktivitäten → "Aktivitäten in Gemini-Apps" → deaktivieren
(Achtung: Verlust einiger personalisierter Funktionen)
DSGVO und revDSG: Die Rechtslage in Kürze
Für Personen in der EU gilt die DSGVO, für die Schweiz das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG), seit September 2023 in Kraft. Beide Gesetze sind technologieneutral formuliert – sie nennen “KI” nirgends explizit, gelten aber automatisch, sobald Personendaten verarbeitet werden. Ein Chatbot-Prompt mit einem Namen darin ist rechtlich nichts anderes als eine Excel-Zeile mit einem Namen darin.
Kernpunkte, die für dich als Nutzer:in oder KMU-Verantwortliche:r relevant sind:
- Verantwortlichkeit bleibt bei dir. Auch wenn du ein Cloud-KI-Tool nutzt, bist du (bzw. dein Arbeitgeber) weiterhin für die Einhaltung der Datenschutzgrundsätze verantwortlich – nicht der KI-Anbieter allein.
- Auftragsbearbeitungsvertrag (DPA) nötig. Sobald ein Unternehmen ein KI-Tool mit Personendaten füttert, braucht es mit dem Anbieter einen Auftragsbearbeitungsvertrag (Data Processing Agreement). Die grossen Anbieter stellen diese für Business-Tarife standardmässig bereit.
- Transparenzpflicht. Wer auf seiner Website einen KI-Chatbot einsetzt, muss kenntlich machen, dass Besucher:innen mit einer Maschine kommunizieren.
- Bekanntgabe ins Ausland. Viele KI-Anbieter verarbeiten Daten in den USA. Das ist unter DSGVO/revDSG nicht automatisch verboten, erfordert aber eine geeignete Rechtsgrundlage (z. B. Standardvertragsklauseln) – bei EU-Angeboten wie der “EU Data Boundary” von Microsoft entfällt dieses Problem für die entsprechenden Dienste weitgehend.
Entscheidungshilfe: Darf ich das eingeben?
Enthält meine Eingabe Namen, Kontaktdaten,
Gesundheits-, Finanz- oder Geschäftsdaten?
│
├─ NEIN → Unbedenklich, auch im Gratis-Tool
│
└─ JA → Nutze ich ein Business-/Enterprise-/API-Konto
mit gültigem DPA?
│
├─ JA → Grundsätzlich ok, prüfe interne
│ KI-Richtlinie deines Unternehmens
│
└─ NEIN → Nicht eingeben. Entweder anonymisieren
(Namen durch Platzhalter ersetzen)
oder auf ein passendes Tool wechseln
Praktische Checkliste
- Prüfe, welchen Tarif du gerade nutzt – Gratis-Konten sind die grösste Fehlerquelle
- Schalte den Trainings-Opt-out ein, wenn du ein Einzelabo privat nutzt
- Nutze den Inkognito-/temporären Modus für heikle Einzelfragen
- Ersetze echte Namen/Zahlen durch Platzhalter, wenn du nur die Struktur eines Textes brauchst
- Fragt dein Chef/deine Firma nach einer KI-Richtlinie – falls keine existiert, ist das die eigentliche Lücke, nicht das Tool selbst
Weiterlernen
- OpenAI: Wie deine Daten zur Modellverbesserung genutzt werden
- Anthropic: Updates zu den Consumer Terms und der Privacy Policy
- Microsoft Learn: Unternehmensdatenschutz in Microsoft 365 Copilot
- Google: Privacy Hub für Gemini-Apps
- EDÖB: Informationen zum revidierten Datenschutzgesetz
- EU: Datenschutz-Grundverordnung (Volltext)
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