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KI im Browser und Betriebssystem: Copilot, Apple Intelligence und Gemini im Alltag

Was Windows, Edge, macOS/iOS und Android schon an KI eingebaut haben - und wie du Copilot, Apple Intelligence und Gemini datenschutzbewusst nutzt oder abschaltest.

9 Min Lesezeit Anfänger Zuletzt aktualisiert:

Die kurze Antwort

Du musst KI heute nicht mehr aktiv “installieren” - sie ist bereits in deinem Betriebssystem und deinem Browser eingebaut, oft ohne dass du sie bewusst aktiviert hast. Microsoft packt Copilot in Windows und Edge, Apple baut Apple Intelligence und die neue Siri AI in iPhone, iPad und Mac ein, und Google ersetzt schrittweise den klassischen Google Assistant durch Gemini auf Android und in Chrome.

Das ist praktisch, wirft aber auch Fragen auf: Was genau macht diese eingebaute KI mit deinen Daten? Was ist standardmaessig an, was musst du selber aktivieren? Und was solltest du aus Datenschutzgruenden lieber ausschalten? Dieser Artikel gibt dir einen Ueberblick ueber die drei grossen Oekosysteme (Stand: 2026-07) und zeigt dir, wo die wichtigsten Einstellungen liegen.

Copilot in Windows

Microsoft hat Copilot seit Windows 11 Version 23H2 fest in die Taskleiste integriert. Copilot ist mittlerweile keine einzelne Funktion mehr, sondern eine ganze Familie von Bausteinen, die unterschiedlich tief ins System eingreifen.

Copilot als App

Die Copilot-App startest du ueber das Icon in der Taskleiste, die Tastenkombination Windows + C oder - auf neueren Tastaturen - ueber eine eigene Copilot-Taste. Sie funktioniert im Kern wie ein Chatbot: Fragen stellen, Texte entwerfen lassen, Zusammenfassungen erstellen, Einstellungen im System suchen. Microsoft kuendigt fuer Mitte 2026 zudem “Ask Copilot” direkt in der Taskleiste an, ein Suchfeld, das Systemfragen und Web-Anfragen in einem Schritt beantwortet.

Click to Do

Click to Do ist eine Funktion exklusiv fuer sogenannte Copilot+ PCs (Geraete mit einer schnellen NPU, also einem KI-Rechenchip). Sie analysiert den aktuellen Bildschirminhalt und bietet dir passende Aktionen an: markierten Text zusammenfassen oder umschreiben, ein Bild direkt bearbeiten, eine Tabelle aus einem Screenshot als Excel-Datei extrahieren. Die Bild- und Texterkennung laeuft dabei lokal auf der NPU - eine Internetverbindung entsteht erst, wenn du eine Online-Aktion wie eine Websuche auswaehlst.

Recall

Recall ist die umstrittenste der drei Funktionen: Es erstellt in regelmaessigen Abstaenden Snapshots (Screenshots) deines Bildschirms und macht sie lokal durchsuchbar, so als haette dein PC ein durchsuchbares Gedaechtnis. Wichtig fuer die Einordnung:

  • Recall ist opt-in, du musst es beim ersten Einrichten aktiv einschalten.
  • Die Snapshots werden lokal auf dem Geraet gespeichert, nicht in der Cloud.
  • Zugriff auf Recall-Daten verlangt Windows Hello (Gesichtserkennung, Fingerabdruck oder PIN).
  • Recall gibt es nur auf Copilot+ PCs mit ausreichender NPU-Leistung.

Recall deaktivierst oder konfigurierst du unter Einstellungen → Datenschutz & Sicherheit → Recall & Snapshots. Dort kannst du “Snapshots speichern” komplett ausschalten, bereits gespeicherte Snapshots loeschen oder einzelne Apps von der Aufzeichnung ausschliessen.

Copilot in Microsoft Edge

In Edge findest du das Copilot-Icon oben rechts neben der Adressleiste. Ein Klick oeffnet den Chat in einer Seitenleiste, die auf den Inhalt des aktuell geoeffneten Tabs zugreifen kann - praktisch, um eine lange Seite zusammenfassen oder Fragen dazu stellen zu lassen, ohne den Text zu kopieren.

Microsoft baut die eigenstaendige Copilot-Seitenleiste allerdings gerade um: Ab Mitte 2026 verschiebt sich der Fokus von einer separaten Seitenleiste hin zu einer staerker “agentischen” KI-Erfahrung, die tab-uebergreifend arbeitet - also Informationen aus mehreren offenen Tabs gleichzeitig zusammenfasst. Neue Bausteine sind unter anderem “Journeys” (Web-Recherchen geraeteuebergreifend organisieren) und ein “Study & Learn”-Modus, der aus Webseiteninhalten automatisch Verstaendnisfragen generiert.

Apple Intelligence auf iPhone, iPad und Mac

Apple Intelligence ist seit Ende 2024 schrittweise auf iPhone, iPad und Mac verfuegbar und laeuft ueberwiegend lokal auf dem Geraet. Auf der WWDC im Juni 2026 hat Apple mit “Siri AI” die naechste, deutlich groessere Ausbaustufe vorgestellt.

Was Siri AI neu kann

Die ueberarbeitete Siri versteht laut Apple deutlich mehr Kontext: Sie kann in Echtzeit auf Nachrichten, Mail, Fotos und aktuelle Bildschirminhalte zugreifen, ohne dass du dafuer die App wechseln musst. Du kannst offene Fragen stellen, Ideen durchdenken lassen oder gezielt nach Inhalten aus Jahre zurueckliegenden Fotos und Notizen suchen - die Interaktion wird also konversationeller statt reiner Befehls-Antwort.

Weitere Bausteine sind eine eigene App, um vergangene Siri-Unterhaltungen nachzuschauen, eine erweiterte “Visual Intelligence” (Kamera- und Bildschirmerkennung fuer Objekte, Text und Orte) sowie tiefer integrierte Schreibwerkzeuge in System-Apps.

Private Cloud Compute

Nicht jede Anfrage kann Apple Intelligence lokal auf dem Geraet verarbeiten - fuer rechenintensivere Aufgaben schickt das System die Anfrage an Private Cloud Compute (PCC), Apples eigene Cloud-Infrastruktur fuer KI. Das Versprechen dahinter: Deine Daten werden ausschliesslich zur Erfuellung genau dieser einen Anfrage verwendet, verbleiben nur so lange auf dem PCC-Server, bis die Antwort zurueckkommt, und werden danach geloescht - selbst Apple soll keinen Zugriff darauf haben. Sicherheitsforscher koennen die auf PCC laufende Software zudem unabhaengig ueberpruefen, um dieses Versprechen zu verifizieren.

Gemini auf Android und in Chrome

Google verfolgt eine aehnliche Strategie wie Microsoft und Apple: den bisherigen “Befehls-Assistenten” (Google Assistant) durch ein konversationsfaehiges KI-Modell ersetzen.

Gemini ersetzt Google Assistant

Google hatte die vollstaendige Ablösung von Google Assistant durch Gemini urspruenglich fuer 2025 angekuendigt, den Zeitplan aber auf 2026 verschoben, um die Uebergangserfahrung fuer bestehende Nutzer stabiler zu machen. Wenn die Umstellung abgeschlossen ist, verschwindet Google Assistant von Android-Telefonen und Tablets vollstaendig, auch die eigenstaendige iOS-App faellt weg. Der Unterschied zum bisherigen Assistant: Gemini soll nicht nur kurze Befehle ausfuehren, sondern echte Gespraeche fuehren, Kontext ueber mehrere Schritte hinweg behalten und tiefer in Apps, Einstellungen und Systemfunktionen eingreifen koennen.

Gemini in Chrome

Auch im Chrome-Browser (Desktop und zunehmend Android) ist Gemini direkt eingebaut, erreichbar meist ueber ein Icon in der Adressleiste oder Seitenleiste. Zu den Kernfunktionen gehoeren:

  • Seiten zusammenfassen: Gemini fasst laengere Artikel, Seiten oder Threads auf Basis des offenen Tabs zusammen und beantwortet Fragen dazu.
  • Auto Browse: Du gibst einen komplexeren, mehrstufigen Auftrag (z. B. Fluege, Unterkunft und Restaurant fuer eine Geschaeftsreise recherchieren), und Gemini erledigt mehrere Schritte im Web selbststaendig.
  • Gemini Live: Ein gesprochener Dialog direkt im Browser, statt Tippen.
  • App-Integration: Termine mit Kalender abgleichen, Adressen mit Maps pruefen, E-Mails mit Gmail entwerfen oder Fragen zu einem YouTube-Video stellen - ohne die aktuelle Seite zu verlassen.

Die Verfuegbarkeit wird laufend erweitert: Nach dem Start in wenigen Laendern rollt Google die Funktionen seit Sommer 2026 in weitere Maerkte und Dutzende zusaetzliche Sprachen aus.

Ueberblick: Was ist wo schon eingebaut? (Stand: 2026-07)

PlattformKI-SystemLaeuft primaerTypische TriggerAbschaltbar?
Windows 11Copilot (App, Click to Do, Recall)Taskleiste, App, NPU lokalIcon-Klick, Windows+C, Copilot-TasteJa, einzeln oder per Gruppenrichtlinie
Microsoft EdgeCopilot-SeitenleisteCloud, tab-bezogenIcon neben AdressleisteJa, in den Edge-Einstellungen
iPhone/iPad/MacApple Intelligence, Siri AILokal + Private Cloud ComputeSiri-Aktivierung, SystemintegrationTeilweise, ueber Einstellungen je Funktion
AndroidGemini (ersetzt Google Assistant)Cloud, App-uebergreifendSprachbefehl, App-Icon, System-GesteTeilweise, ueber Google-Kontoeinstellungen
ChromeGemini in ChromeCloud, tab-bezogenIcon in Adressleiste/SeitenleisteJa, in den Chrome-Einstellungen

Datenschutz-Einstellungen im Ueberblick

Bevor du eine dieser Funktionen nutzt (oder bewusst nicht nutzt), lohnt sich ein Blick auf die wichtigsten Stellschrauben:

Windows / Copilot:

  • Recall: Einstellungen → Datenschutz & Sicherheit → Recall & Snapshots - Speichern ein-/ausschalten, Snapshots loeschen, Apps ausschliessen.
  • Copilot komplett deaktivieren (Windows 11 Pro/Enterprise): Gruppenrichtlinien-Editor unter Computerkonfiguration → Administrative Vorlagen → Windows-Komponenten → Copilot.
  • Nach grossen Windows-Updates lohnt sich eine erneute Kontrolle dieser Einstellungen, da Microsoft Standardwerte gelegentlich zuruecksetzt.

Edge:

  • Copilot-Seitenleiste aus-/einblenden ueber edge://settings/sidebar.

Apple Intelligence:

  • Grundsaetzlich in Einstellungen → Apple Intelligence & Siri aktivierbar/deaktivierbar, einzelne Funktionen (z. B. Schreibwerkzeuge, Bildbereinigung) lassen sich separat steuern.
  • Private Cloud Compute laesst sich technisch nicht einzeln abschalten, ist aber laut Apples Sicherheitsdokumentation unabhaengig ueberpruefbar konzipiert.

Android / Gemini:

  • Aktivitaetsverlauf verwalten: In der Gemini-App auf das Profilbild tippen → Aktivitaeten in Gemini-Apps. Dort laesst sich “Aktivitaeten speichern” deaktivieren und der bisherige Verlauf loeschen.
  • Wichtiger Vorbehalt: Auch bei deaktivierter Aktivitaetsspeicherung bleiben Unterhaltungen laut Google bis zu 72 Stunden im Konto gespeichert, um den Dienst technisch bereitzustellen und Feedback zu verarbeiten.
  • Gemini laesst sich nicht vollstaendig “abschalten” wie eine App deinstallieren - du kannst aber verhindern, dass Gemini dein Geraet aktiv steuert und dass deine Daten zur Modellverbesserung genutzt werden.

Was heisst das fuer deinen Alltag?

Fuer die meisten privaten Nutzer sind die eingebauten KI-Funktionen praktische Werkzeuge, keine Bedrohung - solange du weisst, was sie tun und wo die Schalter sitzen. Eine pragmatische Faustregel:

  1. Lokale Funktionen (Click to Do auf der NPU, viele Apple-Intelligence-Basisfunktionen) sind aus Datenschutzsicht meist unkritisch, weil die Daten das Geraet nicht verlassen.
  2. Cloud-gestuetzte Funktionen (Copilot-Chat, Gemini in Chrome, Siri AI mit Private Cloud Compute) senden zumindest Teile deiner Anfrage an einen Server. Lies dazu die Datenschutzhinweise des jeweiligen Anbieters, bevor du sensible Inhalte hinein gibst.
  3. Aufzeichnungsfunktionen wie Recall verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil sie kontinuierlich mitschneiden statt nur auf Anfrage zu reagieren - hier lohnt sich eine bewusste Entscheidung statt “einfach an lassen”.

Fuer den beruflichen Kontext gilt zusaetzlich: Was privat okay ist, kann in einem Firmenumfeld mit Kundendaten problematisch sein. Unternehmen sollten klare Regeln definieren, siehe KI-Nutzungsrichtlinie fuer KMU.

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